1980 - 1989

2014-07-08 von Georg Zippert 
Die 80iger Jahre waren , was schachliche Erfolge angeht, ein eher durchwachsenes Jahrzehnt ohne wesentliche Höhepunkte. Der Höhepunkt war zweifelsohne unser 50jähriges Jubiläum 1984 mit diversen Großveranstaltungen.

1980 wurde die 2te Bundesliga eingeführt, wodurch die Regionalliga drittklassig wurde. Wir verpassten den Einzug in die 2te Bundesliga nur knapp um einen Platz. Der 4te hätte gereicht, wir wurden leider nur 5ter.

1985 war ein rabenschwarzes Jahr, unsere 1.Mannschaft stieg aus der Regionalliga ab und die 2te aus der Landesliga . Beide wurden zu „Fahrstuhlmannschaften“ , 1986 Wiederaufstieg für beide Mannschaften, 1987 erneuter Abstieg beider Mannschaften und 1988 schaffte die Erste erneut den Wiederaufstieg in die Regionalliga.

Auch mit der Jugend ging es langsam bergab. Spielten wir anfangs der 80iger Jahre noch gut in der Jugend-Oberliga mit, ( u.a. mit unserem heutigen Vorsitzenden Jan Paul Ritscher und unserem Geschäftsführer Tim Schröder) erfolgte 1985 der Abstieg in die A-Klasse. (aus den Top Jugendlichen waren Erwachsene geworden) .1987 konnten wir erstmalig keine Jugendmannschaft mehr melden.

Aber es gab auch positive Nachrichten : 1980 wurde Marco Jäckle Hamburger Jugendmeister, (er holte in dem Jahr auch seinen einzigen Titel als Vereinsmeister) Unser Ehrenmitglied Peter Dankert wurde 1986 Hamburger Blitzmeister und 1983 erreichten wir das Finale der Hamburger Pokalmeisterschaft (Niederlage gegen SKJE).

Ansonsten zeichneten sich die 80iger durch eine Fülle von Aktivitäten aus, überwiegend ins Leben gerufen durch unsere enorm rührigen, damaligen Vorstandsmitglieder Ulrich Siegmund und Helmhart Helmrich. Helmhart, unser „Mädchen für alles“ startete die Zusammenarbeit mit dem Hildegard Schürer Heim (Hamburger Spastikerverein) am Stadtpark und über viele Jahre gab es dort seit 1984 das in ganz Hamburg beliebte Südring-Turnier ( erster Gewinner übrigens Wolfgang Jordan). 1985 wurde die Zusammenarbeit erweitert. Im Frühjahr gab es „Jazz und Schach am Südring“ ebenfalls eine Veranstaltung, die zu einer langjährigen Tradition wurde. 1988 fand auch die erste Simultan-Vereinsblitzmeisterschaft statt.

Aus dem Wiedemann-Pokal Turnier wurde 1980 das Herbert-Kretzschmar Turnier, zu Ehren unseres Ehrenvorsitzenden. Das Turnier hat bis heute bestand und wird zu unserem 75jährigen Jubiläum zum 30ten mal ausgetragen.

Bereits seit den 70iger Jahren veranstalteten die SCHACHFREUNDE alljährlich ein großes internationales Jugendturnier ( teilweise mit Gästen aus Dänemark, Belgien und Holland) mit meist über 50 Jugendmannschaften. 1987 gab es eine Rekordbeteiligung von 73 Mannschaften (fast 300 Teilnehmer und damit wohl nach dem Wettbewerb „Rechtes gegen Linkes Alsterufer“ das größte Schachjugendturnier in Hamburg). Jugendwart war damals kein geringerer als Jürgen Dietz , unser heutiger FIDE-Meister und Stütze der 1.Mannschaft. Ein Jahr später kam dann leider zunächst das Ende für dieses so beliebte Turnier. Die Gesamtschule Horn konnte oder wollte uns ihre Räume nicht mehr zur Verfügung stellen ( das Gespenst „Asbestprobleme“ machte seinerzeit überall die Runde) und leider konnten wir keinen adäquaten Ersatz finden.

1981 hatten wir prominenten Besuch. Bei Georg Zippert im Büro meldete sich Geschäftsbesuch aus den USA an, ein gewisser Lombardy. Wie sich herausstellte handelte es sich um niemand anders als den ehemaligen Jugendweltmeister William Lombardy, GM und US-National- spieler, sowie Adjutant des Weltmeisters Bobby Fischer bei dessen Sieg über Spassky.

In aller Eile wurde in wenigen Stunden eine Reihe Hamburger Spitzenspieler zusammen- getrommelt und ein Blitzturnier veranstaltet, dass Lombardy auch – nach anfänglichen Schwierigkeiten mit der Zeiteinteilung – gewann, mit einem Punkt Vorsprung vor Peter Dankert. Ebenfalls 1981 gab es den ersten Vergleichskampf gegen die Insassen der Strafvollzugsanstalt Fuhlsbüttel., der in den darauf folgenden Jahren wiederholt wurde..

Und noch einmal zu unserem Jubiläumsjahr. In 2 Filialen der HASPA wurde über mehrere Wochen eine Ausstellung „50 Jahre SCHACHFREUNDE Hamburg“ gezeigt, mit Bildmaterial, Chroniken und anderen Schachutensilien aus unserer Vereinsgeschichte.

Zu unserem Jubiläums-Schnellturnier kamen 296 (!!) Teilnehmer, nicht nur eine der größten Veranstaltungen unserer Vereinsgeschichte, sondern auch eine logistische Meisterleistung unseres damaligen Vorstands. Nicht weniger als 20 Vereinsmitglieder halfen bei der Organisation mit. (Wo sind sie hin - die guten, alten Zeiten)
Vereinsausflug mit vielen Größen des Vereins 1997
Vereinsausflug mit vielen Größen des Vereins 1997 (Foto: Georg Zippert)

Aber die Schachfreunde spielten nicht nur Schach – Vereinsfeste wurden gefeiert (es gab ein rauschendes Jubiläums-Vereinsfest), Auto Rally’s wurden zu einer jährlich wiederkehrenden Veranstaltung , und nicht zuletzt wurde Tischtennis immer mehr zu einem 2ten Standbein (angefangen bereits Mitte der 70iger Jahre). Unsere Tischtennisasse waren U.Siegmund, J.Dietz, H.Helmrich und K.Stolzenwald. Es gab Vergleichskämpfe „Schach und Tischtennis“ mit dem HSK, Diogenes und Turm Rendsburg.

Die Senioren („Rentnerband“) organisierten Ausflüge in und um Hamburg mit diversen Besichtigungen. Der Spruch „bei den Schachfreunden ist immer was los“ wurde zum geflügelten Wort.

Die herausragenden Schachspieler der 80iger Jahre

Matthias Hermann
2mal Vereinsmeister, 2mal Vereinsblitzmeister, 3mal Gewinner des Herbert Kretzschmar-Pokals, 1mal Blitzpokal-Gewinner und 3mal Sieger des Wettbewerbs „Erfolgreichster Schachfreund des Jahres“
Gerd Putzbach
2mal Vereinsmeister , 1mal Vereinsblitzmeister, 2mal Gewinner des Herbert Kretzschmar-Pokals und 2mal „Erfolgreichster Schachfreund“.
Roland Storm
2mal Vereinsmeister, 2mal Vereinsblitzmeister,1mal Gewinner des Herbert Kretzschmar-Pokals
Jürgen Dietz
2mal Vereinsmeister, 2mal Gewinner des Herbert Kretzschmar-Pokals und 1mal „Erfolgreichster Schachfreund“

Die Macher der 80iger Jahre

Seit 1982 hieß unser „Boss“ Klaus Ueckermann, (bereits in den 60iger und 70iger Jahren im Vorstand tätig – insgesamt mehr als 20 Jahre im Vorstand), übernahm 1982 auch die Redaktion der Vereinszeitung von H.Helmrich. Obendrein kümmerte er sich um unser Schachmaterial, baute unseren Materialschrank , Tragekörbe für die Spiele, unsere Schachtische und schuf wunderbare Pokale („Schiefer Turm“ , „Erdkugel-Pokal Gens una Sumus“ für das Herbert- Kretzschmar-Turnier). Klaus erhielt 1990 für seine Verdienste um das Hamburger Schachleben die Goldene Ehrennadel des Hamburger Schachverbandes.
Schachreise 1986 U. Siegmund, H. Helmrich, W. Meyer
Schachreise 1986 U. Siegmund, H. Helmrich, W. Meyer (Foto: Georg Zippert)
Ulrich Siegmund – der Mann mit den vielen Ideen war unser überaus aktiver Schachwart (14 Jahre lang) kurzzeitig nach Rücktritt von Hermann Zippert auch 1.Vorsitzender (1975) und auch im Hamburger Schachverband als Informationswart tätig, der ihn 1981 wegen seiner Verdienste ebenfalls mit der Goldenen Ehrennadel auszeichnete.

Helmart Helmrich war nicht nur 2ter Schachwart und (bis 1982) Redakteur unserer Vereinszeitung, sondern auch Veranstalter zahlreicher Schach- und diverser anderer Veranstaltungen der SCHACHFREUNDE. Sein Schrebergarten wurde zeitweilig zu unserem 2ten Vereinslokal. Helmhart veranstaltete „Garten-Schachturniere“ , Sport und Spiel für die Jugendlichen und nicht zuletzt das bis heute durchgeführte Kniffelturnier für die Damen unserer Vereinsmitglieder um den „Goldenen Würfel“ . (Unser Mann für alle Fälle.)

Willy Meyer übernahm 1982 unsere Kasse und hielt 16 Jahre die Hand drauf. Damit nicht genug übernahm er 1985 auch noch die Finanzen des Hamburger Schachverbandes, die er fast genauso lange verwaltete. Auch er wurde für seine Verdienste 1993 mit der Goldenen Ehrennadel des Verbandes ausgezeichnet.

Ein weiterer Schachfreund erhielt 1990 die Goldene Ehrennadel des Verbandes. Bruno Borchert war in den 80iger Jahren nicht nur Geschäftsführer unseres Vereins, sondern auch des Hamburger Schachverbandes und schließlich – wie oben schon erwähnt – Jürgen Dietz als erfolgreicher Jugendwart.

Am 18.12.1989 verstarb mit Hermann Zippert einer der aktivsten Funktionäre unserer Vereinsgeschichte.

Als Fazit der 80iger kann man sagen : Schachlich ziemlich flau , aber auf Funktionärsebene ein „Goldenes Jahrzehnt“.