DPMM 25/26 - Siege in der 1. und 2. Vorrunde

2026-01-30 von Jan-Paul Ritscher 

DPMM Vorrunden - Blizzard und Blitzen

Vier unerschrockene Schachfreunde machten sich am letzten Januarwochenende auf den Weg - durch Schneefall und über vereiste Wege - zu den Vorrunden der Deutschen Pokalmannschaftsmeisterschaft. Als Gegner drohten ein Erstligist, ein Oberligist und eine starke Landesligamannschaft. Vorab gebührt dabei besonderer Dank den Gastgebern und dem Schiedsrichter, die in freundschaftlicher Atmosphäre für sehr gute Spielbedingungen, Verpflegung und einen souveränen Rundenablauf sorgten.

Das Los in Vorrunde 1 wies uns am Samstag den Gastgeber zu, den starken Landesligisten Bünde. Von der Papierform waren wir leicht favorisiert. Und so kamen Frank Bracker an 1 und Gerrit Hourigan an 2 jeweils mit Initiative aus der Eröffnung. Meine Partie war früh zweischneidig: zunächst gedrückt bis nachteilig erarbeitete ich im Mittelspiel Initiative, allerdings immer auf Messers Schneide. Jonas Gremmel an 4 wurde in der Eröffnung kalt erwischt. Zwar konnte er Materialverlust vermeiden, aber sein lang rochierter König stand so exponiert, dass die Stellung trotzdem sehr verlustträchtig wirkte. Aber Jonas weiß zu kämpfen und nutzte aus dem Nichts eine Unachtsamkeit des Gegners, um zwei Figuren gegen Turm zu gewinnen. Zwischenzeitlich hatten sich Brett 1 und 2 jeweils einen Bauern erarbeitet, so dass ich in verwickelter Stellung in das Remisangebot meines Gegners einwilligte (Die Maschine bestätigte später die Ausgeglichenheit) und warten wollte, dass mein Team die Siege meldete. Die Bünder erwiesen sich in der Folge aber als zähe Verteidiger. Im Turmendspiel mit Mehrbauern von Gerrit wurde der aktive gegnerische König zu stark, als dass noch realistische Gewinnversuche für uns möglich waren - remis. Frank musste seinen Mehrbauern wieder abgeben und diverse Fesslungen sorgten für Gefahr. Der Rechner weist kurz vor Partieende sogar einen klaren Nachteil für Frank aus; aber nicht mit „menschlichen“ Zügen und so endete auch diese Partie unentschieden. Bei Jonas wurde lange gekämpft, aber das Material schrumpfte nach und nach, so dass mit L+S gegen T+B für beide Seiten nur remis möglich wurde. Da im Pokal immer eine Mannschaft ausscheiden muss, ging es in den Blitz-Stichkampf; gleiche Gegner - getauschte Farben. Zwar lagen wir hier früh 1:0 hinten, aber die erfahrenen Blitzer auf unser Seite machten dann doch einen 3:1-Sieg klar.

Dadurch waren wir für die 2. Vorrunde qualifiziert, gegen den Erstligisten Heimbach-Neuwied. Diese ließen ihre Großmeister zuhause, brachten statt dessen 2 IM’s an den ersten Brettern in Stellung. Dahinter kamen aber - auch gegenüber unseren Wertungszahlen - deutlich niedriger eingewertete Spieler zum Einsatz. Und so durfte ich mit Schwung aus der Eröffnung kommend, recht ungefährdet den ersten Sieg vermelden. Mein jugendlicher Gegner musste immer auf wenig Platz verteidigen und gab nach 25 Zügen auf, als sein erster Bauer fiel und er ohnehin nur noch 3 Sekunden auf der Uhr hatte. Gerrit war gut vorbereitet und hatte die ganze Partie über mit Weiß viel Druck. Er drohte, einen Freibauern am Damenflügel zu generieren und zu verwandeln. Sein Gegner verteidigte sich aber stark, mit Händen und Füßen. Auch die gemeinsame Analyse zeigte mehr listige Verteidigungsideen für Schwarz als Gewinnmöglichkeiten für Weiß, so dass das erzielte Remis leistungsgerecht erscheint. Bei Jonas „blitzten“ beide Seiten die Eröffnung geradezu runter. Der weiße Gegner kam dabei zwar mit einem Mehrbauern raus, aber der Bauer war sehr gut investiert: Ein nahezu „toter“ Läufer auf seinem Ausgangsfeld und eine zerklüftete Bauernstruktur von Weiß bedeuteten de facto eine überlegene Stellung von Schwarz. Mit ein wenig Arbeit zahlte sich das aus und die Partie mündete für Jonas in einem Turmendspiel mit Mehrbauern. Hier schieden sich zwar die Geister, ob der Heimbacher Spieler nach Opfer eines zweiten Bauern nicht sogar eine theoretisch haltbare Stellung erreicht hatte, aber die Wahrheit liegt eben auf dem Brett. Und hier verwandelte Jonas seinen Randmehrbauern am Ende zum Sieg. Frank startete mit kompakter Aufstellung in die Partie und opferte einen Bauern für positionellen Ausgleich. Im Doppelturmendspiel hatte er die aktiveren Figuren und erwartete, dass sein Gegner - der spielstärkste des Wochenendes - die Gefährlichkeit von Franks vorgerückten Zentrumsbauern erkennt und so in ein Dauerschach abwickelt. Statt dessen wurde ein Turmpaar getauscht und es erwies sich einmal mehr, dass in Turmendspielen Initiative sehr häufig wichtiger ist als die Anzahl der Bauern. Frank verwandelte den Rest der Partie souverän zum 3½:½-Erfolg.

Meines Wissens ist es das erste Mal in der Vereinsgeschichte, dass die Schachfreunde das Achtelfinale des Deutschen Mannschaftspokals erreicht haben. Das steht an Anfang März. Hier dürften auch einige GM’s an die Bretter treten, insbesondere könnten wir direkt auf den Deutschen Vizemeister Viernheim treffen, die in unsere Gruppe neben Augsburg und Bad Königshausen gelost wurden. Mal schauen, ob die gegen uns den einen oder anderen Weltklassesspieler aufbieten wollen...

 
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