Dieser Nachbericht beruht alleine auf Erinnerungen von den Eindrücken des Schreibers (Jens Andersen) während des Kampfes und den gemeinsamen Gesprächen beim gemeinsamen Essen danach. Etwaige Ungenauigkeiten oder gar Fehler in der schachlichen Wahrnehmung sind daher entweder schon alters- oder aber spielstärkebedingt.
Am Treffpunkt U-Bahn Hoisbüttel traf sich die Hälfte der Mannschaft und Marc fuhr Gerrit, Jonas und mich zügig und sicher nach Kiel. Während der Fahrt erzählte uns Gerrit nicht nur etwas über seine Bachelor-Arbeit zu Trainingsmethoden im Schach, sondern auch seine Absicht mit Schwarz eine neue Eröffnung zu erproben.
An Brett 2 kam es dann für Gerrit wie gewollt: Nicht nur wurde die vorbereitete Eröffnung tatsächlich gespielt, sondern er kam auch sehr gut aus dieser heraus. Im Mittelspiel konnte Gerrit dann seine Initiative in eine Mehrqualität ummünzen, die er dann geduldig zum entscheidenden Sieg zum 4½:3½ für uns verwandelte und somit zum 'Man of the Match' wurde (wenn's das denn im Schach gibt).
Die anderen Ergebnisse in der Brettreihenfolge:
Brett 1 - Dusans Gegner spielte in einer Damengambit-Bauernstruktur frühzeitig einen schwarzen Springer nach c6, sodass Dusan sehr angenehm stand. Vielleicht fühlte sich Dusan dadurch bemüßigt doch recht scharf auf Angriff zu spielen. Sein Gegner hielt dem Druck jedoch gut Stand, hatte dabei aber soviel Zeit verbraucht, dass er dann Dusans Remis-Angebot mit nur noch Sekunden auf der Uhr annahm.
Brett 3 - Frank kam mit leichtem weißem Vorteil aus der Eröffnung, jedoch waren bereits die Damen getauscht und sein Gegner FM Holger Hebbinghaus, der in der letzten Zeit doch sehr deutlich an ELO und DWZ eingebüßt hat, zeigte sich m.E. in seinem Element. Er hielt die etwas schlechtere Stellung Remis.
Brett 4 - Paul ließ sich mit Schwarz darauf ein, seinem Gegner ein 'Grünfeld-Indisch im Anzug' zu gestatten. M.E. ein zweischneidiges Unterfangen, jedoch versäumte es Paul wohl lediglich an einer Stelle zwar einen Bauern zu geben, dafür jedoch selber aktive Schwerfiguren zu haben, was wohl Remis trächtig gewesen wäre. So aber hatte sein Gegner das aktive Dame- und Turm-Gespann plus Mehrbauer, was letztlich nicht zu halten war.
Brett 5 - Jonas hatte zunächst ein Damenbauernspiel auf dem Brett, das aufgrund der unorthodoxen Spielweise des Gegners jedoch zu einer holländischen Bauernstruktur mutierte. Hier wollte Jonas wohl zu schnell forcieren, sodass sein eigentlich vorhandener Vorteil weg war. Durch einen weiteren taktischen Fehler stand Jonas dann auf Verlust, jedoch gestattete sein Gegner ihm (lt. Jonas) an einer Stelle dennoch einen Gewinnzug, den Jonas leider übersah. Letztlich also eine durchaus unglückliche Niederlage!
Brett 6 - Nachdem ich in der 1. Runde gegen Schwerin die Empfehlung von GM Grandelius für Schwarz nach 1.Sf3 d5 erproben konnte, so war es diesmal 1.c4 e6 2.g3 d5, wo ich wiederum GM Grandlius folgte. Konkret: Schwarz stellt die Entwicklung vom Königsspringer zurück und fianchettiert dafür rascher seinen Damenläufer. Auch diese Empfehlung bewährte sich. Leider versäumte ich an einer Stelle meinen leichten Vorteil weiter auszubauen, sodass mein Gegner sicher Remis halten konnte.
Brett 7 - Uwes Vorstoßvariante 3.e5 gegen Caro-Kann beantwortete sein Gegner mit 3.-c5, was grundsätzlich gut spielbar ist. Jedoch hielt Uwe nach 4.dxc5 diesen Bauern (einfach) gedeckt und so gewann er im Endspiel mit Mehrbauern und gutem Läufer gegen schlechten Springer sehr sicher.
Brett 8 - Marcs Sizilianisch wurde vom Gegner mit dem Alapin-System 2.c3 beantwortet. Es entstand recht schnell ein etwa ausgeglichenes Mittelspiel, wo bereits beiderseits alle Springer getauscht waren. Marcs Gegner glaubte dann seine beiden Läufer opfern zu können und nur mit Dame und Turm mattzusetzen. Marc gab jedoch geschickt einen seiner Mehrläufer zurück. Statt mit Minusfigur aufzugeben musste Marc noch fast solange spielen wie Gerrit bis der Gegner ein Einsehen hatte und aufgab.
Bei einem nahegelegenen Inder in Kiel genossen wir nicht nur das Essen, sondern auch einen knappen, aber m.E. verdienten Sieg.
