Zum Mannschaftskampf gegen HSK XV, in dem wir wie bei den vorangegangenen Runden unseren knappen 1 Punkt-Vorsprung in der Tabelle zu verteidigen hatten, fehlten fünf Spieler der Top-Acht – vier hatten in derselben Runde in der Oberliga ausgeholfen –, aber wir waren auch für dieses vorletzte Match gut aufgestellt. Allerdings war der Start äußerst schlecht und nicht eingeplant: Während die gegnerische Mannschaft ab 19.30Uhr vollzählig anwesend war, warteten wir vergeblich auf den Schachfreund, der für Brett 6 vorgesehen war, und lagen so nach einer Stunde mit 0:1 im Rückstand; zudem verriet ein Blick auf die übrigen Bretter, dass zwei Schwarz-Partien schon während und nach der Eröffnungsphase gar nicht gut aussahen!? Nach genau drei Stunden markierte Clemens Mix das 1:1. 12 Züge lang hatte er sich auf den ersten drei Reihen solide aufgebaut und bot dann Damentausch an; die gegnerische Dame wich aus und ging lieber auf Bauernfang (Dxg7?). Mit Dame gegen Turm, Läufer und Bauer benötigte Clemens noch sieben Züge, um über die offene g-Linie ein Matt zu zaubern. Dieser Sieg schien – wie ein „Befreiungs-schlag“ u. ä. – auch psychologische Auswirkungen gehabt zu haben, denn in der folgenden Viertelstunde geschah Unbegreifliches, Unglaubliches: Die beiden Schachfreunde, die auch nach eigenem Bekunden („total) verlorene Stellungen“ gehabt hatten, gewannen letztlich ihre Partien: Detlef Schweigert, mit einem unrochierten und (von Bauern) ungeschützten König auf f8, musste sich etlicher Attacken und Drohungen seiner Gegnerin erwehren, und auch nach Vereinfachung der Stellung war die Gefahr, matt gesetzt zu werden, immer noch gegeben …, bis er einen Doppel-Turm gegen Turm, Läufer und Bauer ins Endspiel retten und schließlich aus einem sicheren halben sogar noch einen ganzen Punkt machen konnte!? Thorsten Jaeger besaß schon nach der Eröffnung einen deutlichen Entwicklungsrückstand und einen Minus-Bauern. Nachdem noch ein unvermeidbarer Qualitätsverlust dazugekommen war, war auch seiner Meinung nach die Partie verloren, zumal er den gegnerischen Gewinn-Weg „sah“. Statt dessen stellte sein Kontrahent eine Figur ein, verlor den Überblick (→ Faden) und dann die Partie – statt „glatt zu gewinnen“!? Immerhin konnten wir jetzt wieder auf- und durchatmen! Nach gut vier Stunden holten die Brüder Alam zwei weitere Punkte; beide zunächst (wieder) mit mutigem, ideenreichem Angriffsschach. Im Laufe des Mittelspiels verringerten sich durch Vereinfachung der Stellung ihre Sieg-Chancen, und beide hätten nach dem einen oder anderen Zug sogar noch verlieren können(!?), aber nach wirklich interessanten und spannenden Partien hatten beide das bessere Ende für sich: Sasan siegte im Turm-Bauern-Endspiel, das lange nach remis aussah, indem er seinen einen Bauern eher zur Dame verwandelte, und Sohrab, der seine beiden aktiven Figuren (Turm und Springer) plus Mehrbauer so überlegt und geschickt gegen Turm und Läuferpaar in Szene setzte, dass er die Partie, die phasenweise = 0.00 eingeschätzt wurde, auch gewann! Der Mannschaftskampf war entschieden, aber zwei Schachfreunde kämpften weiter: An Brett 2 machten beide Kontrahenten zunächst den Eindruck, als ob sie ihr gesamtes Material bis zum Schluss behalten wollten (kein Abtausch bis zum 22. Zug). Danach gab es einen offenen Schlagabtausch …, und beide besaßen in kurzer Zeit eine offene Königsstellung. Nach einem unachtsamen Zug seines Gegners nutzte Jens Hellinghausen die Chance, mit seinen in Stellung gebrachten Figuren den gegnerischen König ins Visier zu nehmen … und matt zu setzen! An Brett 8 saß unser neues Vereinsmitglied. Schnell hatte er optisch eine bessere Stellung, im Mittelspiel gelang ein Damenfang nicht, dafür aber eine bessere Postierung einzelner Figuren, und in der letzten Stunde gab es noch einen „Leckerbissen“ im Turm-Läufer-Endspiel mit drei gegen zwei Bauern, und zwar nicht mit einer Umwandlung eines Bauern in eine Dame, sondern ein Matt! (Schwarzer König auf h8 – Weiß: Tf7, Lg7, f6, g6, h7 – der schwarze Turm und Läufer plus ein Bauer waren auch noch auf dem Brett!). Ein prima Einstand in seinem ersten Spiel für die Schachfreunde Hamburg von Ruchira Samiddha Wijesinghe Dissanayakage!
7 : 1 (?) - Wie heißt es häufig auch in Bezug auf andere Sportarten: „Kleinigkeiten entscheiden über Sieg und Niederlage“, und in diesem Mannschaftskampf wurde es wieder deutlich, und zwar immer zu Gunsten der Schachfreunde – dabei lieferten sowohl die Damen als auch der junge Mann an Brett 7 einen „Kampf auf Augenhöhe“ mit Sieg-Möglichkeiten!? Ich erlaube mir mal das Fazit: Wir haben unverdient hoch gewonnen, der HSK hat völlig unverdient hoch verloren.
F. Fegebank
